Die alte Brandstätter Säge in der Traundorferstraße
Herr Gattringer beim alten Mühlrad
Das Ehepaar Brandstätter im Jahr 1954
Herr Brandstätter beim reparieren des Mühlrades
1941: Lieferwagen des Herrn Brandstätters

Es ist ja in der Landschaft noch gut zu erkennen. Im Norden wurde Pichling von einem Bach durchquert, dem Aumühlbach. Viele werden sich an dieses früher sehr fischreiche Gewässer erinnern können, das ab Ebelsberg von der Traun abzweigte. (Eigentlich wurde der Aumühlbach vom Mühlbach der Strobl-Mühle gespeist.) Ich selber habe noch die Fütterung der Enten gemeinsam mit meinem Großvater im Gedächnis. Am Beginn der 70er Jahre wurde dem Bach buchstäblich das Wasser abgedreht, er diente oftmals als Mülldeponie und wurde zum Teil zugeschüttet. Es ist wirklich zu hoffen, dass die Renaturierung des Baches durchgeführt und der Aumühlbach wieder mit Wasser versorgt wird.

Zahlreiche Betriebe lagen an diesem Bach, um die Wasserkraft zu nutzen, so die Gießerei Steininger in Ebelsberg, die Farbenfabrik Christ (früher eine Farbenreibmühle), die leider vor 2 J. abgerissene Mehrmühle (auch Aumühle) oder die Brandstättersäge in der Traundorferstr. An der Stelle der Säge befand sich bis 1878 eine Holznägelerzeugung, welche die Wasserkraft bereits nutzte. Die Säge wurde 1889 von Josef und Anna Fröhlich errichtet, in den 20er Jahren gehörte sie kurze Zeit dem Landwirt Karl Mauhart, bis sie Leopold Brandstätter 1929 erwarb. Er betrieb die Brettersäge zuerst nur nebenbei, d.h. vor allem abends, da er noch als Zimmerpolier bei der Firma Kolm arbeitete. Im Jahr 1941/42 erweiterte er den Betrieb, stellte vom reinen Wasserantrieb auch auf Turbinen und Elektromotorenbetrieb um. Das Geschäft florierte zu dieser Zeit, wegen der beginnenden regen Bautätigkeit im Süden von Linz, z.B. der Kaserne in Ebelsberg, aber auch wegen des der privaten Wohnbaus. Viele Pichlinger Häuselbauer haben sich ihr Holz für den Dachstuhl in der Brandstättersäge besorgt. Die Säge war in der Umgebung eines der größten Sägewerke, mit bis zu 10 Arbeitern. Zwischen dem Hechtweg und der Säge ist heute noch der ehemalige Holzlagerplatz erkennbar. Leopold Brandstätter und seine Frau Juliane führten auch einen Brennstoffhandel mit Holz und Kohle, später auch mit Gas. Sichtbares Zeichen dafür ist der noch bestehende halbrunde hölzerne Lagerschuppen. 1967/68 wurde das Wasserrecht am Mühlbach gelöscht, die Säge wurde nur mehr elektrisch betrieben. 1970 starb Leopold Brandstätter, der Sägebetrieb wurde noch bis zum Jahr 1973 von seiner Witwe weitergeführt. Das letzte Mal "gesagelt" wurde 1989/90 nach der verheerenden Sturmkatastrophe. Hr. Josef Gattringer, Schwiegersohn von Leopold Brandstätter, betrieb mit Hilfe eines Traktors die Säge. Er half damit befreundeten Bauern bei der Aufarbeit der großen Sturmschäden, und diese konnten damit lange Wartezeiten bei den Sägewerken umgehen. Heute sind die rund um die Säge gehaltenen Schafe beliebtes Ziel beim Spaziergang mit Kleinkindern, und so manches beim Gemeindefest gegrillte Lamm stammte von den Weiden neben dem trockengelegten Aumühlbach.

David Weinberger