Die ehem. Polizeistation im heutigen Zustand
Maria Mühlberger lenkt den Traktor - im Hintergrund die Polizeistation
Ein stummer Zeitzeuge - die Polizeistation

Kaum zu glauben, aber Pichling hat früher eine eigene Polizeistation besessen. Ursprünglich war sie in der Sommerhuber-Villa untergebracht. 1955 übersiedelte sie in den Ortsteil Pichling. Das Haus wurde vom Landwirt Johann Mühlberger angemietet. Es hat sich als gut geeignet für die Unterbringung der Wachstube angeboten. Es war groß genug für 3 Polizisten, die hier ihren Dienst versahen, und klein genug, dass keine anderen Bewohner oder Mieter im selben Haus waren. Der Schutz der Bauernhäuser und die Kontrolle der Bundesstraße 1 waren die Hauptaufgaben der Polizisten. Jeweils 3 Polizisten hatten 24 Stunden Dienst und anschließend 48 Stunden frei. Die Patrouillengänge wurden zum größten Teil zu Fuß absolviert, meist in Begleitung eines Polizeihundes. Dadurch wurde auch der gute Kontakt zur Bevölkerung hergestellt. An ein eigenes Polizeiauto war in dieser Zeit nicht zu denken, als Transportmittel standen nur Fahrräder und ein Moped zur Verfügung. Kleinere Vergehen wurden unbürokratisch erledigt und die Polizisten wurden immer wieder bei ihren Rundgängen von den Bewohnern zum Aufwärmen in ihre Häuser eingeladen. Aber so ruhig, wie es im ersten Eindruck erscheint, war der Polizistenalltag nicht. Immer wieder mussten Diebstähle geklärt und Verdächtige verfolgt und gestellt werden. Hr. Sittlinger, vielen Pichlingern als Polizist und späterer Leiter der Strompolizei bekannt, erzählt von der Festnahme eines Mannes, der bereits ein Register von 28 Vorstrafen hatte. Die Verhaftung war keineswegs einfach, da der Mann sich der Verhaftung durch Gegenwehr mit einem Messer zu widersetzen versuchte und mehrmals zu flüchten probierte. Während der Besatzungszeit war die polizeiliche Tätigkeit nicht leicht, weil die Besatzer – die Amerikaner – Sonderregelungen in Anspruch nahmen und z. B. das ihnen unterstellte "Flüchtlingslager" Asten auch bei Tatverdacht von der Polizei nicht betreten werden durfte. Prostituierte, die in Linz Stadtverbot erhielten, mussten von der Polizei bis zum Taggerbach – der Grenze zu Asten - "eskortiert" werden. Natürlich waren die Polizisten immer wieder auch bei den Hochwässern im Einsatz. 1968 wurde der Posten Pichling aufgelöst und nach Ebelsberg verlegt. Das Haus, in dem die Wachstube untergebracht war, wurde während des 2. Weltkrieges errichtet und diente zunächst Kriegsflüchtlingen als Unterkunft. Für heutige Verhältnisse kaum vorstellbar, waren in dem kleinen Haus 2 getrennte Wohneinheiten für Flüchtlingsfamilien vorgesehen. Anschließend wurde es an Bedienstete von Johann Mühlberger vergeben. Nach der Polizei wurde es erneut vermietet, blieb aber im Besitz der Familie und wird heute von einer Tochter Mühlbergers bewohnt. Obwohl rasch und mit den damals eben vorhandenen Mitteln eher provisorisch gebaut, ist es heute in einem sehr schönen und gepflegten Zustand.