Das letzte Bahnwärterhaus wurde 2002 durch die Veränderung der HL-AG geschliffen
Fritz Birglehner und die alte Haltestelle Pichling

Pichling wird durch die Westbahn eigentlich in 2 Teile gespalten. Die Bewohner benützen häufig den Ausdruck "drüber der Bahn" und meinen damit den jeweils anderen Teil. Der 4-gleisige Ausbau wird manche Veränderungen bringen, so werden auch die letzten Bahnwächterhäuser der K.u.K Staatsbahn abgerissen. In Raum Pichling gab es 5 Bahnwächterhäuser, von denen nur mehr eines in seiner ursprünglichen Form erhalten ist. Es ist das Wärterhaus im Fasanweg, neben der Fußgängerunterführung Dachsweg unter der Westbahn. Das Haus umfasst zwei unabhängige Wohnungen und wurde immer an Bahnbedienstete vergeben. Seit über 50 Jahren wohnt Frau Teufelauer in diesem Haus und sie hat der Bahnlärm nie gestört. Nur die Wäsche musste man in den Zeiten der Dampflokomotiven am Dachboden und nicht im Freien aufhängen. Das Haus ist sehr massiv gebaut und hat auch einen Bombentreffer in unmittelbarer Nähe unbeschadet überstanden. Das Gebäude wurde 1898 errichtet und ist damit das jüngste der Wächterhäuser. (Alle anderen wurden 1858 mit Errichtung der Bahnstrecke erbaut.)

In unmittelbarer Nähe befand sich lange Zeit ein beschrankter Bahnübergang. Der Schranken wurde aber im Lauf der Zeit immer seltener von der Haltestelle Pichling aus geöffnet. Während meiner Volksschulzeit am Beginn der 70er Jahre wurde uns Kindern von Lehrerinnen und Eltern eindringlich verboten, diesen Übergang zu benutzen. Aber gerade solche Verbote erhöhen ja den Reiz, sie zu übertreten, was wir auch in Form von Mutproben taten. Ein weiteres Bahnwächterhaus war die jetzige Haltestelle Pichling. Viele werden sich noch an den Bahnübergang mit dem Schranken erinnern, der Fußgänger, Rad- und Autofahrer immer wieder zu Pausen gezwungen hat. Das Haltestellengebäude bot Platz für zahlreiche Räume: Dienstraum der Schrankenwärter, Fahrkartenschalter, Warteraum und eine Wohnung für Bahnbedienstete. Damals war die Bahn die einzige Anbindung Pichlings an den öffentlichen Verkehr, daher war der Bahnsteig auch oft wirklich voll mit Fahrgästen. Bis in die Mitte der 60er Jahre gab es an Sonntagen im Sommer sogar einen Sonderzug, der abends die Badegäste vom Pichlingersee zurückbrachte. Das dritte Wächterhaus befand sich direkt an der Grenze zur Gemeinde Asten neben dem Taggerbach. Das Haus stand auf Linzer Gemeindegebiet, während der Garten sich auf der anderen Seite des Baches und damit in Asten befand. Auf diesem Areal nördlich der Bahn in unmittelbarer Nähe des Pichlingersees sind jetzt einige Gärten noch Zeichen, dass es sich hier um Grundbesitz der Bundesbahn handelt. Das Wächterhaus wurde 1858 als Wächterhaus Nr. 215 erbaut und im Jahr 1975 abgerissen. Die Familie Birglehner bewohnte bis vor kurz dem Abriss dieses Haus, Fritz Birglehner war ja bis zu seiner Pensionierung 1986 auch "Schrankenwärter" in Pichling. Von den beiden übrigen Bahnwächterhäusern sind nur mehr Gärten mit Hütten zu sehen, es waren dies die Wächterhäuser Nr. 217 und 218, gezählt ab Wien. Eines befand sich nördlich der Bahn an der Granitstützwand zum Schiltenberg, das andere liegt eigentlich nicht mehr direkt in Pichling, aber viele fahren an seinem Platz vorbei, wenn sie mit dem Rad nach Ebelsberg fahren. Kurz vor der Westbahn - Traunbrücke im Panholzerweg bei der Abzweigung der Bahnstrecke in die Vöest ist der Standort noch zu erkennen.

David Weinberger