Der letzte Bäcker in Pichling

1972 hat die Bäckerei Doppler in der Traundorferstraße den Backofen das letzte Mal angeheizt.
Frau Doppler vor dem Dampfbackofen
Eine alte Knetmaschine

Mich wundert's, wie wir das alles geschafft haben “

1972 hat die Bäckerei Doppler in der Traundorferstraße den Backofen das letzte Mal angeheizt.

Gegründet wurde sie 1954.Die Eheleute Anna und Franz Doppler arbeiteten bereits während des Krieges als Bäcker in Pichling.

Sie hatten die Bäckerei Priglinger (heute Kaufhaus Gasselseder) etwa ein Jahr in Pacht. Da Franz Doppler zur Wehrmacht einr ü cken musste,konnte die Bäckerei vorerst nicht weitergeführt werden. Trotz des Verlustes eines Beines gab er sein Handwerk nicht auf und arbeitete mit einer Holz-Prothese wieder als Bäcker.Zuerst pachtete das Paar die Bäckerei Honegger in Ebelsberg,in der Kremsmünstererstraße. 1954 wurde das Haus in Pichling mit Schulden gekauft.Durch einen Bombentreffer,bei dem 13 Menschen starben,war es schwer beschädigt worden. Der Schweine-und Kuhstall wurde in eine Backstube mit kohlebefeuertem Dampfofen umgebaut. Dieser musste bereits am Nachmittag angeheizt werden,damit in der Nacht genügend Hitze zum Backen vorhanden war.Später investierten die Bäckersleute noch einmal und stellten auf einen Elektrobackofen um.

Heute wundert sich Anna Doppler angesichts der Schufterei &#8220 im Laufe ihres Lebens,wie sie dieses große Arbeitspensum geschafft hat.Über diese Zeit meint sie:„ Die Arbeit in der Bäckerei war eine richtige Schinderei. Trotzdem waren manche Dinge leichter als heute. So wurde uns trotz Schulden aus dem Kauf und den Umbauten von den Gläubigern nie das Messer angesetzt.

Vor allem der Arbeitsrhythmus und die Invalidität machten uns zu schaffen.“ Einige, so wie ich,werden sich noch an die besonderen Spezialitäten erinnern: Brezen und Bierstangerl.

Diese wurden von den zwei Söhnen gemeinsam mit einigen Nachbarkindern in Hüllen eingepackt. Zur Belohnung durften die zerbrochenen Stangerl verzehrt werden.

Mit dem Erreichen des 60.Lebensjahres sperrten die Dopplers ihre Bäckerei zu. Die Söhne hatten „bessere “ Arbeiten gefunden.Nicht nur die Bäckerei Doppler hat geschlossen. Im Raum Ebelsberg gab es nach dem Krieg sechs selbstständige Bäckereien. Heute existiert von diesen keine mehr.

David Weinberger