Erzählt man Menschen, dass man in Pichling zu Hause ist, hört man oft aus deren Mund: „Ah, beim Pichlinger See!“ Die Freizeitanlage zwischen Pichling und der östlichen Stadtgrenze von Linz ist auch vielen Menschen, die weit weg von der oberösterreichischen Landeshauptstadt wohnen, ein Begriff. Und tatsächlich zählt der See zu den beliebtesten ganzjährig genutzten Freizeitanlagen in und um Linz. Spazierengehen, Laufen, Schwimmen, Eislaufen, Fischen und Tauchen, all diese Freizeitaktivitäten sind hier möglich.

 

Beim Pichlinger See handelt es sich um keinen natürlichen See. Er ist entstanden aus einer Schottergrube. Aus dieser wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts Schotter für die Errichtung der Hermann-Göring-Werke (VÖEST) entnommen und nicht, wie viele glauben, für die Errichtung der Westautobahn. Ältere Pichlingerinnen und Pichlinger erinnern sich noch daran, dass eine eigene Eisenbahnstrecke zwischen dem Pichlinger See und dem Gelände der Hermann-Göring-Werke existierte, auf der der Schotter transportiert wurde.

 

Der See weist heute eine Fläche von etwa 33 Hektar bei einer durchschnittlichen Wassertiefe von ca. 4,5 Meter auf. Er ist mit den erforderlichen Infrastruktureinrichtungen wie Kanalisation, Wasserleitungen, WC-Anlagen usw. gut erschlossen. In den letzten Jahren wurde durch verschiedene Maßnahmen wie die Eintiefung durch Saugbaggerungen bzw. die Anlage von Biotopen versucht, die Qualität des Badewassers langfristig zu erhalten. Im Sommer wird die Wasserqualität wöchentlich untersucht. Die ermittelten Werte lagen in den vergangen Jahren weit unter den für Badeseen festgelegten Grenzwerten.

Eine wesentliche Quelle der Verunreinigung des Sees sind die vielen Wasservögel, die sich rund um den See angesiedelt haben. Das Fütterungsverbot, das vor einigen Jahren erlassen wurde, um ein „Kippen des Sees“ zu vermeiden, findet leider nicht die entsprechende Beachtung. Zu groß ist das „Mitleid“ mit den armen Vögeln im Winter, das viele dazu verleitet, altes Brot oder andere Lebensmittel den Tieren zu bringen.

Auch wenn viele BewohnerInnen von Pichling über einen eigenen Garten, zum Teil sogar mit Swimming-Pool verfügen, so zieht es sie immer wieder magisch an den See: die Kinder zu den Spielplätzen, die Erwachsenen zum Spazierengehen oder Laufen. Man schafft kaum eine Runde um den See, bei der man nicht irgendwelchen Freunden oder Bekannten begegnet. Daraus muss man schließen, dass dieses Naherholungsjuwel am Stadtrand von Linz auch von den Pichlingerinnen und Pichlingern die entsprechende Beachtung und Wertschätzung findet. Der Pichlinger See ist mit ein Teil unserer Lebensqualität geworden.

Alois Birklbauer,Thomas Lettner

 

Ein Bade-Klassiker für Generationen (OÖN vom 10.07.04)

Der 300.000 Quadratmeter große Pichlingersee ist trotz zahlreicher gewordener Konkurrenz der Badesee schlechthin im Großraum Linz.

So richtig zum Baden war es heuer ja noch nicht. Doch der Pichlingersee hat immer Saison. Denn er ist nicht nur Badesee. Er ist sommerliches Freizeitzentrum für Schwimmer und Fischer, Ganzjahresziel für Taucher, Spaziergeher, Nordic-Walker und Jogger, im Winter begehrt bei Eisstockschützen und Eisläufern.

Bis zu 40.000 Besucher

Wer in Linz nicht im Freibad, sondern im See schwimmen wollte, für den war der Pichlingersee bis Anfang der achtziger Jahre erste Wahl. Oft tummelten sich dort bis zu 40.000 Menschen. Doch die Leute wurden mobiler, steuerten weiter entfernte Badeziele an. Auch durch den Ausbau des Pleschingersees am Rand von Linz-Urfahr ließ der Zustrom zum Pichlingersee nach. Zudem sank der Wasserspiegel. Durch Baggerungen stieg aber wieder der Wasserstand.

Mittlerweile ist der Pichlingersee ein Klassiker mit vielen Fans und sehr guter Infrastruktur - vom betonierten, 3,46 Kilometer langen Weg rund um den See über die beiden Badeinseln im See, Einstiegsmöglichkeiten für behinderte Menschen und Rollstuhlfahrer, Sportmöglichkeiten (kleiner Fußballplatz in der Astener Bucht, Basketball-Körbe beim Quäck-Teich, Mini-Golfplatz, Kinderspielplatz beim Waikiki-Restaurant) bis hin zur Gastronomie. Einige der zehn Buffets/Gasthäuser sind ganzjährig geöffnet.

Für kleine Kinder ist der See, obwohl die Anlage familienfreundlich ist, nur bedingt geeignet. Denn am Ufer fällt das Wasser bald steil bis zu acht Metern Tiefe ab. Für die Sicherheit gibt es 23 elektrische Notrufsäulen mit Sprechverbindung zur Badeaufsicht.

Am Wochenende wacht zudem die Wasserrettung, für den Notarzthubschrauber gibt es einen eigenen Landeplatz.

Auch mit Rad oder öffentlich

Vor allem Menschen, die einfach ausspannen wollen, schätzen den Pichlingersee. Obwohl die Ruhe durch die nahe Westbahn fahrplanmässig ab und zu gestört wird. Doch die Stammgäste hören das anscheinend nicht.

Wer mit dem Auto anreist, findet tausende Stellplätze. Auch mit dem Rad ist der See gut zu erreichen. Öffentlich fährt man mit der Straßenbahnlinie 1 oder 2, steigt entweder bei der Simony- oder bei der Endhaltestelle Hillerstraße in die Buslinie 11 oder 19 um und kommt bis zum See.

 

Am Anfang war Schotter für die Göring-Werke

"Ich war schon als Kind im Pichlingersee baden", sagt der gelernte Schlosser Martin Freyberg (31). Seit 1994 ist der Baggersee im Südosten von Linz Freybergs Arbeitsplatz: "Wir nennen uns nicht Bademeister, sondern See-Aufsicht. Wir sind für fast alles zuständig, von den WC-Anlagen über die Brausen bis hin zur Sicherheit der Badegäste."

Viele beneiden Freyberg: "Die glauben, da liegst einfach im Liegestuhl und schaust auf den See hinaus. Aber es gibt immer etwas zu tun. Allerdings hat es schon seinen Reiz, an der frischen Luft arbeiten zu können."

300.000 Quadratmeter

Zum Baden wird der Pichlingersee seit fast 60 Jahren genutzt. Entstanden ist der sechs bis acht Meter tiefe und 300.000 Quadratmeter große Badesee durch Schotterbaggerungen. 1938/39 wurde dort der Schotter für den Bau der Göring-Werke (heute: voest) herausgeholt.

Ab 1947 wurde der See, der nun der Linz AG gehört und von dieser auch betreut wird, als Badesee entwickelt. Rund um den See gibt es eine recht gute Infrastruktur, zum Beispiel Brausen, Trinkwasser, Spielplatz und nicht weniger als zehn Buffets, die zum Teil sogar warme Küche bieten.

OÖN vom 10.07.2004

 

Faszinierendes trübes Tauchparadies (OÖN vom 27.06.2002)

 

VON CARSTEN HEBESTREIT

 

Zwei Meter. Vielleicht drei. Mehr beträgt die Sicht nicht. "Aber trotzdem siehst im Pichlingersee mehr als im Atter- oder Traunsee", sagt Wolfgang. Nämlich Flora und Fauna. Während Begegnungen mit Fischen in den glasklaren Salzkammergut-Gewässern die Ausnahme sind, tümmeln sich in dem Linzer Haussee massenhaft Karpfen, Hechte, Aale und andere Schuppentiere. Und die Unterwasser-Wälder aus Seegras hätten auch so ihren Reiz, sagt der 29-jährige Sporttaucher.

Der Paschinger, der schon die Tiefen vor Bali, Jamaika und Kuba mit Pressluftflasche, Flossen und Taucherbrille erkundete, erklärt, warum der trübe Badesee im Süden der Landeshauptstadt ein kleines, feines Eldorado für Taucher ist. Warum sich immer öfter Menschen in ihrer Freizeit in Neoprenanzüge zwängen und in sechs, sieben Meter Tiefe die Ruhe genießen und auf Begegnungen der tierischen Art hoffen.

"In einer Viertelstunde bist' am See", sagt Stephan aus Linz. "Und nach dem Tauchgang bist' eh fertig. Da hab ich keine Lust mehr stundenlang nach Hause zu fahren." Wie von den Salzkammergut-Seen eben. 155 Tauchgänge vermerkte der 30-Jährige bisher in seinen Logbuch, "zehn Mal pro Jahr gehe ich in der Pichlingersee". Hier tauchen sei ein "angenehmer Ausgleich nach der Arbeit".

 

"Hier hast' keinen Stress"

Ähnlich formuliert Dietmar aus Mauthausen die Vorzüge des Gewässers. "Hier hast' keinen Stress, du kannst das Tauchen in Ruhe genießen", sagt der 58-Jährige, der sich das erste Mal vor fünf Jahren die Pressluftflasche umschnallte. "Das ist nix für zehn Minuten", betont er. Und Christl Kroh, die in Linz ein Tauchgeschäft samt -schule betreibt, sagt: "Hier geht's nicht um die Tiefe, sondern um den Genuss."

Übereinstimmend berichten die Taucher von großen Fischschwärmen, die sich im Sommer an gewissen Plätzen sammeln. "Im Winter verteilen sich die Fische über den ganzen See", sagt Dietmar. 60 bis 70 Zentimeter lange Karpfen, 75 Zentimeter lange Hechte - "Beim Nachttauchen kannst die Tiere sogar streicheln", erzählt Marius, 24, aus Linz. Dann verharren die Wasserbewohner im Lichtkegel der Lampe in fast völliger Starre. "Ein Mal", schildert der Wolfgang, "hat ein Hecht den Spieß umgedreht und ist uns nachgeschwommen." Angst? Nein, Angst habe er nicht gehabt. Obwohl der Raubfisch "ein g'scheiter Brocken" war.

 

Eva sieht "nur Schüler"

"Fische beobachten hier ist super", sagt auch Andreas, der 13-jährige Sohn von Dietmar, der mit seinem Papa schon oft abtauchte.

Eva, eine 32-jährige Tauchlehrerin aus Altenberg, sieht "eigentlich nur Tauchschüler im See". Nachsatz, schmunzelnd: "Und wenn ich sie nicht mehr seh', dann krieg ich die Panik!" Zeit bleibt trotzdem immer für Seitenblicke. Vor allem, wenn der berühmte, 1,80 Meter lange Wels, der im östlichen Teil des Sees lebt, kurz vorbeischwimmt. "Den hab' ich aber selbst erst vier, fünf Mal gesehen", sagt Eva.

 

Glasklares Quellwasser

Phantastisch sei auch langsam durch das Seegras zu schwimmen, erzählt Dietmar. Eigene Wege suchen, die Wälder in fünf, sechs Metern durchstreifen - "Das ist ein echtes Erlebnis." Vor allem, weil die Flora ebenso abwechslungsreich wie die Fauna ist. Und manchmal ist das Wasser glasklar. "Nämlich dort, wo Quellen sind." Dort sprudelt eiskaltes Wasser aus dem Schotter.

Ungeübte Taucher machten erst einmal unliebsame Bekanntschaft mit den Sedimenten, die sich auf dem Seegrund abgelagert haben - sprich: Wer sich nicht rechtzeitig vor dem Grund austarieren kann, greift unweigerlich in die 20, 30 Zentimeter tiefe Schlammschicht ehe er sich auf dem festeren Untergrund abstützen kann. Das Ergebnis ist freilich lästig: Die aufgewühlten Schwebstoffe reduzieren die Sicht in wenigen Sekunden auf zehn Zentimeter - im günstigsten Fall. Dann heißt's: Langsam das Gleichgewicht finden, gemächlich davonschwimmen und das schlammige Chaos hinter sich lassen.

Die Unterwasserlandschaft ist keineswegs - wie Badende vermuten könnten - "brettleben", sondern völlig zerklüftet. Riesige und kleine Täler durchziehen den Schotterboden, Hügel türmen sich auf, Ebenen machen sich breit. "Der See ist perfekt für die Tauchausbildung", gerät Eva - ansonsten durch Tauchurlaube in Kalifornien, Indonesien, Australien, Kapverdische Inseln etc. verwöhnt - fast ins Schwärmen. "Denn hier im Pichlingersee kann zum Beispiel niemand bei den Navigationsübungen schummeln." Wie im Traun- und Attersee, wo sich Taucher einen Anhaltspunkt (Referenzpunkt) merken und dann locker wieder zum Ausgangspunkt zurückfinden. Denn die Sicht ist mit 20, 25 Metern in den Salzkammergut-Seen unvergleichlich besser als im Pichlingersee. Im Linzer Haussee geht ohne Kompass gar nix - "der perfekte See für diese Übungen".

 

Zerklüftete Landschaft

Just diese abwechslungsreiche Unterwasserlandschaft macht das Gewässer auch gefährlich. Und zwar nicht im Sommer, denn "selbst wennst keine Luft mehr hast, kannst von jedem Punkt aus mit einem schwimmenden kontrollierten Notaufstieg die Wasseroberfläche erreichen" (Eva), sondern im Winter, wenn eine dicke Eisschicht das Gewässer überzieht. "Du glaubst, du schwimmst entlang des Ufers und bist aber plötzlich mitten im See. Die Hügel sind trügerisch", sagt Andreas, ein Feuerwehrtaucher. Zum Eistauchen sind ein Kompass und/oder eine Leine unabdingbar. Auf beide Ausrüstungsgegenstände hatte jener Welser, der Anfang Februar dieses Jahres ertrank, verzichtet. Und auch auf einen Tauchpartner, der beim Sporttauchen Pflicht ist.

 

Im Trüben Energie tanken

Natürlich war und ist das Unglück ein Thema in Tauchkreisen. Doch wenn alle Sicherheitsrichtlinien beachtet werden, ist Tauchen ein ungefährlicher Sport, sind sich alle einig. Die Ausflüge in die Tiefe will keiner der Sporttaucher missen. "Die halbe Stunde unter Wasser bringt mir für etliche Tage was", sagt Dietmar. "Ich tanke unter Wasser viel Energie", ergänzt Stephan.

Der Pichlingersee mutierte in unserer Freizeitgesellschaft zu einem kleinen Mekka für Tauchfreunde. Auch wenn, wie Eva felsenfest behauptet, sich die Sicht seit zwei Jahren extrem verschlechtert hat. Warum? "Keine Ahnung!". "Vielleicht hängt's mit dem Mähen des Seegrases zusammen", sagt Hubert, ein Tauchroutinier. "Oder vielleicht mit dem Ausbaggern." Dieses Geheimnis hütet der See noch.

 

 

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