Hagerfischer und Hagerwirt (Schinterlackn/Mitterwasser) - 1925
Beim Klettfischer - 1954
Klettfischer-Villa - 1954
Klettfischer im Hochwasser - 1954
Klettfischer im Hochwasser - 1954
Innenhof Klettfischer (O´Donell) - 1954
Flucht vor den Fluten (Mauhartberg) - 1954
In Anger (im Hintergrund Jucovic)
Das Bauernhaus Kriechbaum - 1954
Das Bauernhaus Kriechbaum - 1954
Aufräumarbeiten nach den Fluten bei Kriechbaum in Posch (Traundorferstrasse) - 1954

Hochwasser in Pichling

Pichling war wie viele andere Orte entlang der Donau in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder von Hochwasserkatastrophen betroffen. Die höchsten dokumentierten Wasserstände der Donau gab es um 1000 sowie 1501, welche die Flussläufe enorm veränderte. So ist damals die Traun und Enns rund um Raffelstetten mit eine enormen Delta in die Donau gemündet. Auch Ufer befand sich im Mündungsdelta der Traun.

 

1787 wurde das dritthöchste Donauhochwasser registriert. Um 1870 wurde damit begonnen, die Donau zu regulieren. Danach registrierte man 1899 einen weiteren Höchststand. An sechster Stelle folgt die Überschwemmung von 1954.

 

Das enorme Hochwasser im Sommer 2002 hat Pichling zum Großteil verschont, da die Wassermassen der Donau seit dem Kraftwerksbau in Abwinden/Asten einigermaßen geregelt werden können.

 

 

Das Hochwasser 1954

Die gewaltigsten Überschwemmungen in diesen Jahrhundert gab es im Jahr 1954. Der Pegelstand der Donau betrug am 11. Juli 1954 9,62 Meter. Zum Vergleich: Der Maximalstand beim letzten Hochwasser im August 2002 zeigte einen Pegelstand von 8,20 Metern an.

 

Ein kaltes Höhentief über der Nordsee verlagerte sich vom 6.7. auf den 7.7.1954 sprunghaft in den bayerisch-österreichischen Alpenraum und bildete hier ein neues Zentrum, das für die nächsten Tage stationär und somit wetterbestimmend war. Der Kaltlufteinbruch war von heftigen Gewittern und Starkniederschlägen sowie von einem großen Temperatursturz begleitet. Die Nullgradgrenze sank unter 1000 m Höhe und es schneite zeitweise bis um 600 m Höhe.

Besonders die intensiven Starkniederschläge am 7.7.1954 und 8.7.1954 ließen die Bäche und Flüsse rasch ansteigen. Es kam zu großen Überschwemmungen, die sich durch die nachfolgend anhaltenden Niederschläge zur größten Hochwasserkatastrophe des 20. Jahrhunderts im bayerisch-österreichischen Donauraum entwickelten.

 

 

Man stelle sich vor man konnte mit der Zllle von der Donau durchgehend bis zum Pichlingersee rudern. Viele Häuser standen bis zum 1. Stock unter Wasser und mussten wegen der Einsturzgefahr evakuiert werden. Vor allem in Posch stürzten viel Häuser (Bauernhöfe und "Bauernsacherln") ein.

Die oft mehrere Jahrhunderte alten Häuser wurden damals mit Lehmziegeln gebaut. So konnten die Gewölbe, welche den Decken Halt gaben, der Feuchtigkeit meist nicht mehr Stand halten und brachen in sich zusammen.

Dies brachte mit sich, dass einige Gebäude im Zug der Aufräumarbeiten zur Gänze abgetragen werden mussten. So zum Beispiel der Poschmairhof (Posch Nr. 1, seit 1313), die Gerlsölde Ziervogl (Traundorf Nr. 5, seit 1445) und auch das Kaltenböck-Haus (Posch Nr. 16, seit 1868).

 

 

Was die Arbeit der Einsatzkräfte erheblich beeinträchtigte, war der Umstand, dass Linz 1954 durch die Besatzung noch eine geteilte Stadt war: In Urfahr hatten die Russen, in Linz die Amerikaner das Sagen. Das bedeutete, dass man sich auch als Feuerwehrmann im Einsatz bei jedem Queren der Donau an den Kontrollstellen ausweisen musste.

 

Enorme Hilfe leisteten die vier Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Linz. Im Norden waren dies die FF St. Magdalena und FF Pöstlingberg, im Süden die FF Ebelsberg und die FF Pichling. Im Süden der Stadt halfen auch amerikanische Einsatzkräfte besonders im Gebiet Pichling bei der Evakuierung von Mensch und Tier.

Im Norden konnte von den Russen keine Hilfe erwartet werden, da sie über keine geeigneten Geräte verfügten.

 

Artikel aus den OÖ-Nachrichten:

Das Sintflut-Drama von 1954

Schlimmer noch als das Hochwasser im Jahr 2002 war die katastrophale Sintflut, die Oberösterreich vor 50 Jahren heimgesucht hat. In der Zeit vom 9. bis zum 12. Juli 1954 drohte das Land im Wasser zu versinken.

Freitag, 9. Juli 1954: Seit Mittwoch abend regnet es schon in Oberösterreich. Ein Schlechtwetter-Einbruch wie ihn die Menschen seit Jahren nicht mehr erlebt hatten, verwandelt den sonst sonnenheißen Sommermonat Juli in einen düsteren November.

Innerhalb von nur 12 Stunden verzeichnet die Wetterwarte Kremsmünster einen Niederschlag von 46,1 Millimeter. Als Folge dieser starken Berieselung treten Seen, Bäche und Flüsse über die Ufer. Besonders dramatisch ist die Situation für Orte an Traun, Enns, Donau, Inn und Steyr, wo im Laufe der nächsten zwei Tage nicht nur viele Straßen überflutet werden, sondern auch Häuser bis fast zum Giebel im Wasser verschwinden, wie zum Beispiel an der Freistädterstraße in Linz oder auch am Enns-Kai in Steyr.

 

Fluten steigen schnell

Die Fluten der diversen Gewässer im Land steigen so schnell, dass die Menschen Mühe haben, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. An der Großen Mühl bei Neufelden wird eine 20-köpfige Pfadfindergruppe, die auf einer Insel biwakierte, prompt eingeschlossen und in Zipf ist der Gendarmerieposten lediglich mit dem Schlauchboot zu erreichen. Bei Englhartszell ragt nur noch der Dachfirst des Zollwachehäuschen aus der Donau und die Baustelle des Kraftwerks Jochenstein ist so gut wie ruiniert.

 

Auch in Taufkirchen hat die Hochwasser führende Pram sechs Bauernhäuser samt Menschen und Vieh von der Außenwelt abgeschnitten und in Schärding überflutet der Inn die Innenstadt, die dadurch völlig unpassierbar ist. Damaliger Pegelstand: Unglaubliche 11,63 Meter.

 

Schießbefehl auf Plünderer

Mensch und Tier treiben in jenen schrecklichen Juli-Tagen hilflos in den Fluten unserer wild gewordenen Flüsse. Bei Steyregg versuchen drei Männer mit einem Floß ein Reh aus der Donau zu retten, stürzen dabei aber ins reißende Wasser. Mit Müh und Not bekommt das hilflos treibende Trio die Zweige eines Baumes zu fassen, an denen es sich vier Stunden lang festklammert. Erst in letzter Minute können die Männer von einem Eisenbahner mit einem Boot gerettet werden.

 

In Gmunden steigt der Traunsee um 1,20 Meter und hat den Stadtplatz überschwemmt. Auch die unablässig höher werdende Donau bemächtigt sich der Linzer Altstadt, wo man am Sonntag, den 11. Juli 1954, einen Pegelstand von unglaublichen 9,62 Metern verzeichnet - das ist absoluter Rekord. Nicht nur an der Donaulände schwappt das Wasser bereits durch die Fenster im ersten Stock der Häuser, ein ähnliches Bild bietet sich in Aschach, Mauthausen und anderen Donauorten bis hinunter nach Wien. Auch am Enns-Kai in Steyr droht den Gebäuden ein Schicksal à la Atlantis. 120 Kilometer Straßen sind berreits unpassierbar in Oberösterreich, der Eisenbahnverkehr auf acht Strecken unterbrochen - es herrscht Endzeitstimmung im Land ob der Enns.

 

"Wir stehen mitten in einer großen Katastrophe", skizziert Landeshauptmann Heinrich Gleissner schockiert die Lage im Hochwassergebiet, wo nun auch Plünderungen und Preistreibereien drohen. Um das Schlimmste zu verhindern erhält die Polizei den Befehl, auf Plünderer nötigenfalls zu schießen, in Schärding patroullieren bereits bewaffnete Strompatrouillen.

 

Um sich selbst ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen, eilt Bundeskanzler Julius Raab nach Oberösterreich und in die Landeshauptstadt Linz, wo er in einer Zille das überschwemmte Gebiet befährt. In vielen Kirchen des Landes, unter anderem auch in der Linzer St. Severins-Kirche, kann man in jenen Tagen mit einem Boot bis zum Hochaltar rudern.

 

Als "Mitteleuropas größte Hochwasserkatastrophe" am 13. Juli 1954 endlich abebbt, wie die OÖN tags darauf berichten, liegt - zumindest wettermäßig - wieder Sonnenschein über der landesweiten Verwüstung, bei der insgesamt 1650 Tiere und 8 Menschen ums Leben gekommen sind.

 

Große Verwüstungen

Das Hochwasser tötete auch einen Vater von drei Kindern, der bei Ansfelden mit seinem Fahrrad in einen Wildbach geriet und ertrank. 18.800 Oberösterreicher wurden evakuiert und in Notquartieren untergebracht, weil 378 Häuser eingestürzt und weitere 1912 Gebäude stark beschädigt worden sind. Fast 300 Brücken und Stege hat die Flut weggespült, 50.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche zerstört.

 

Und was war die Ursache dieser durch Dauerregen ausgelösten Katastrophe? Ein Tiefdruckgebiet über unserer Region, was wiederum die Folge eines Kaltluftstaus in den Alpen war in Verbindung mit einem kräftigen feuchtwarmen Luftvorstoß vom Mittelmeer, und nicht, wie man damals, in der Zeit des Kalten Krieges auch kolportierte, die Folge einer Atombomben-Explosion.

 

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