1299 wird Pichling erstmals unter dem Namen „Pulhorn iuxta Ebelsperch“ urkundlich erwähnt
Das ursprüngliche Pichling mit dem Zentrum - 1956
Ein stummer Zeuge aus der Römerzeit-der Herkules Altarstein
Bau der Florianerbahn entlang des Schlltenberges - 1912
Die alte Schmiede in Pichling, heute das Transportunternehmen Reitinger
Durch Schottergewinnung entstand der Pichlingersee

04/02/05

Wie Pichling zu Pichling wurde

Spricht man von der Geschichte Pichlings, welches erstmals 1299 als „Puholorn“ im Codex Fridericanus erwähnt wurde, und meint man damit das Gebiet zwischen Traun, Probstau, Schiltenberg und der heutigen Bahnunterführung Moosfelderstraße, so ist das nur bedingt richtig. Denn das heutige „Pichling“ umfasst mehrere Katastralgemeinden, von denen nur eine eben diesen Namen trägt.

In der Franziszäischen Landvermessung von 1826 - die übrigens bis heute Gültigkeit besitzt - wurde das Gebiet unseres heutigen Stadtteils in verschiedenen Katastralgemeinden geteilt und kartographiert:

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1.) Katastralplan der Gemeinde Posch in Österreich ob der Enns, Trauner Kreis, Bezirk Ebelsberg mit den Ortschaften Traundorf, Klettfischer, Schweigau und Propstau. Die Grenzen sind im Norden Steyregg und Luftenberg, im Osten Raffelstetten, im Süden Pichling und im Westen Pichling

 

2.) Katastralplan der Gemeinde Ufer in Österreich ob der Enns, Trauner Kreis, Bezirk Ebelsberg mit den Ortschaften Au, Klettfischer, Schrangl und Weikerl. Die Grenzen sind im Norden Steyregg und St.Peter, im Osten Posch und Pichling, im Süden Ebelsberg und im Westen Ebelsberg und Kleinmünchen

 

3.) Katastralplan der Gemeinde Pichling in Österreich ob der Enns, Trauner Kreis, Bezirk Ebelsberg mit der Ortschaft Anger. Die Grenzen sind im Norden Ufer und Posch, im Osten Raffelstetten, im Süden Mönchgraben und Traunleiten sowie im Westen Ebelsberg

 

Diese Katastralgemeinden hatten keine (verwalterischer) Beziehung zueinander und hatten keine gemeinsame Infrastruktur. Jedoch gehörten sie alle zum Bezirk Ebelsberg.

Wie kommt es nun, dass man von Pichling als Gesamtheit der oben genannten Katastralgemeinden spricht?

Einer entscheidender Auslöser war vielleicht die Gründung der ersten gemeinsamen Organisation: die 1901 gegründete Freiwillige Feuerwehr in Pichling. Pichling hatte zu dieser Zeit die meisten Einwohner (200), lag zentral und sorgte somit für den Schutz der anderen Ortschaften. (Oiden, Anger, Posch, Traundorf, Ufer, Au, Schweigau, Mönchsgraben und Ödt)

Die Eingemeindung zur Stadt Linz während des Zweiten Weltkrieges und die damit einhergehende Schaffung von Strukturen wie Kirche („Stallkirche“), Volksschule, Vereine und dem Naherholungsgebiet Pichlingersee rückte Pichling immer mehr in den Vordergrund. Da all jene Einrichtungen in der Katastralgemeinde Pichling lagen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich diese „verallgemeinernde Bezeichnung“ für den gesamten Einzugsbereich allmählich durchsetzte. So ist der südliche Stadtteil von Linz gemeinhin nur mehr unter diesem Namen bekannt und findet sich auch in der folgenden Geschichtsschreibung wieder, die in geraffter Form Einblick in die Entstehung des Stadtteils bieten soll.

 

Pichlings Vorzeit

Wenn auch so manche Ereignisse, die sich auf dem frühgeschichtlichen Boden den heutigen Pichling abgespielt haben nur schwer recherchierbar sind, so kann man doch mit Gewissheit sagen:

Der älteste Oberösterreicher war ein Pichlinger!

Tatsächlich stammen die ältesten in Oberösterreich entdeckten menschlichen Skelettteile - ein Schädeldach, ein Oberarmknochen und ein Oberschenkelknochen - aus Pichling. Sie stammen aus der Altsteinzeit! Gefunden hat diese ein Baggerführer, der sie in den Jahren 1952 und 1953 aus den damals noch zweigeteilten Pichlinger Schotterseen gemeinsam mit einem Mammutstoßzahn ausgrub und sie dem Landesmuseum übergab.

 

Römerstraße durch Pichling

Welche Völker sich nach dem Zusammenbruch des Römerreiches um unser Land und damit auch um Pichling stritten, ist Thema dicker Geschichtsbücher und mag dort nachgelesen werden. Auf jedenfall als damals Pichling Teil der römischen Provinz Norikum war, führte eine sehr wichtige Verbindung - die so genannte "norische Binnenstraße", die das Legionslager von Lauriacum (Lorch) mit den Städten Ovilabis (Wels) und Iuvavum (Salzburg) verband - mitten durch Pichling. Funde aus dieser Zeit gab es im benachbarten Tödling (Münzen - 1840 ausgegraben) sowie am Mooslanderweg: 2 Altäre aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Diese wurden bei Erdarbeiten für den Bau der Autobahn 1951 ausgegraben und befinden sich jetzt im Schlossmuseum. Die beiden Altarsteine waren Herkules und Viktoria gewidmet.

 

Raffelstettner Zollordnung

Anfang des 10. Jahrhunderts tagten nahe Pichling "Nobiles" dreier Grafschaften, um eine Zollordnung zu entwerfen. Heute ist das Regelwerk - primär für den Salzhandel - als "Weistum von Raffelstetten" oder "Raffelstettner Zollordnung" bekannt.

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Erstnennung

Von Puholorn iuxta Ebelsperch zu Pichling als Stadtteil von Linz

Im „Codex Fridericianus“ des Stiftes Kremsmünster von 1299 wird Pichling erstmals unter dem Namen „Puhlorn iuxta Ebelsperch“ urkundlich erwähnt.

Darin heißt es aus dem Lateinischen übersetzt: „Gelddienst zum Feste des hl. Georg an die Konventkammer. Von Puhlorn bei Ebelsperch 60 Denare.“

Das Müllerhaus an der Pichlingerstraße hat das Georgsfest des Jahres 1299 auch erlebt – es ist genauso alt.

Neben „Pulhorn“ tauchen im Laufe der Zeit, insbesondere seit Einflussnahme des Stiftes St. Florian auch andere Schreibarten wie „Pühel“ (=Hügel), „Picheln“ und „Pichlern“ auf.

Die heutige Form des Namens existiert seit 1738.

Im Zuge der so genannten „Josephinischen Pfarrregulierung“, welche besagte, dass niemand länger als eine Gehstunde zu seiner Pfarrkirche haben sollte, kam Pichling 1786 zur Pfarre Ebelsberg.

 

Eingemeindung

1849 wurde aus den Katastralgemeinden Ebelsberg, Ufer, Posch, Pichling, Mönchgraben und Wambach die politische Gemeinde Ebelsberg, die 1938 von der Stadt Linz eingemeindet wurde. Zur gleichen Zeit galt das Gebiet Pichling - Asten neben St. Peter als möglicher Standort für die Hermann Göring-Werke.

 

Auch die Zwischenkriegsjahre und der 2.Weltkrieg gingen in Pichling nicht spurenlos vorüber: der Schiltenberg diente als gewaltiges Munitionslager - viele Bunkerreste mit Lüftungsschächten zeugen noch heute davon. Rund um Pichling selbst befanden sich zahlreiche Flakstellungen. Der Weikerlsee und teilweise auch der Pichlingersee entstand durch den Aushub welcher für die Aufplanierung der Herman Göring-Werke benötigt wurde.

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Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Häuser- und Bevölkerungsdichte stark zu, was einen Aufschwung des gesellschaftlichen Zusammenlebens in Pichling mit sich brachte.

Damit ist untrennbar die Pfarre St.Paul zu Pichling verbunden:

Nach der Einrichtung der „Kaplanei Pichling“ durch eine Verordnung des Linzer Weihbischofs Dr. Fließer im Jahre 1941 sollte in Abstimmung mit der Mutterpfarre Ebelsberg eine Kirche gebaut werden.

Zunächst fanden die nur ein Mal im Monat gefeierten Messen in der Seebauernkapelle statt, ehe 1966 ein leerstehender Stall der Familie Mühlberger als provisorischer Gottesdienstraum eingerichtet und Johannes Paulmair zum Pichlinger Seelsorger bestellt wurde.

1969 konnte das in relativ kurzer Zeit erbaute Pfarrzentrum eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden.

30 Jahre später fiel unter Pfarrer Günther Türk die Entscheidung zum Bau einer neuen Kirche.

 

Pichling zeigt sich heute voller Gegensätze: Einerseits ziemlich unberührt gebliebene Gebiete der Au, landwirtschaftliche Nutzflächen und das aus verschiedenen Dörfern zusammengewachsene Gebiet mit dichter Verbauung. Eine gewaltige Erweiterung des verbauten Gebietes erfolgte nun durch die Solar City und dem Südpark.